Botschaft, AHK oder doch nur Kanzlei?

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Wahlstationen

Botschaft, Außenhandelskammer oder doch „nur“ Kanzlei? 

Am Ende der Referendarausbildung steht der angehende Volljurist vor der Entscheidung, wo er seine letzte Station zwischen der schriftlichen und der mündlichen Prüfung verbringt. Einige Referendare beabsichtigen eine Ruhe- oder Vorbereitungsphase für die Prüfung, andere suchen schon die zukünftige Arbeitsstelle zu beeinflussen.

Mittlerweile betrachten viele attraktive Arbeitgeber die Auslandsstation nicht als Pluspunkt sondern eher als eine Einstellungsvoraussetzung. Die Station in einer Botschaft oder Außenhandelskammer genießt bei den aktiven Referendaren zu Recht die größte Beliebtheit. Eine solche Station bessert den Lebenslauf auf und macht sich bei Bewerbungen für den öffentlichen Dienst sehr gut. Neben der reinen Tätigkeit können beide Stellen attraktive Möglichkeiten bieten. Referendare werden beispielsweise oft Vertreter größere Firmen, Organisationen, staatlicher Stellen vor Ort treffen und Kontakte aufnehmen, zu denen sie später kaum noch Zugang haben werden. Wenig Referendare werden sonst die Möglichkeit haben, den CEO von Siemens bei einem abendlichen Glas Wein für 10 min zu treffen. Botschaften und Außenhandelskammer können desweiteren bei der Wohnungssuche unterstützen, Rechtsanwaltskanzleien oder Firmen werden dagegen ausreichende Selbständigkeit voraussetzen.

Referendare, die nicht unbedingt den öffentlichen Dienst oder die Arbeit in Verbänden anstreben, sollten Nachfolgenes in ihre Entscheidung einbeziehen:

Die Stellenbesetzung in den Botschaften folgt anderen Regeln. Wer die Auslandsstation als ersten Anlauf für eine Arbeitssuche betrachtet, wird von einer Station in der Botschaft außer einer Verbesserung seines Lebenslaufes wenig Nutzen ziehen. Der (Auslands-)Referendar muss anschließend das volle, langwierige Besetzungsprogramm absolvieren wie alle anderen Mitbewerber. Eine gute Stationsnote durch den ehemaligen Botschafter hat den selben Einfluß wie die gute Note anderer Stationen. Tätigkeiten in örtlichen Firmen oder Anwaltskanzleien können sich dagegen im beiderseitigen Einvernehmen schnell zu einer vorgelagerten Probezeit entwickeln.

Gerade eine kleinere Botschaft bearbeitet einen beschränkten Rechtsbereich, viel Legalisierung/Beglaubigung, Konsulartätigkeit, gelegentlich einfache Notarsachen, Beratungen zum Familien-, Sozial- oder Ausländerrecht. In den vorgenannten Feldern hat der Referendar zumeist keine Vorkenntnisse und wird nur einen Teil des erlangten Wissens später nutzen können. Die Arbeit in einer Außenhandelskammer beinhaltet seltener herkömmliche Rechtstätigkeit, Rechtsfragen werden wie bei der Botschaft oft an die sogenannten Vertrauensanwälte abgegeben. 

Als Abtauchstation sind Botschaft oder Außenhandelskammer ungeeignet. Die ruhigen Zeiten des Auslandsdienstes sind vorbei, Außenhandelskammer und Botschaft sind wie viele öffentliche Stellen auf die Arbeitskraft des Referendars angewiesen, da auch sie Kürzungen und Einsparungen ausgesetzt sind. Der Referendar wird meist einen vollen Tag zur Verfügung stehen müssen und wenig Zeit für seine Examensvorbereitung oder gar ein paar Erlebnisse im Ausland haben. Nicht selten finden am Abend Veranstaltungen statt. Eine Teilnahme des Referendars wird gern gesehen, auch wenn keine (Rechts-) pflicht besteht. Der Botschafter –beruflich bedingte lange Abende gewöhnt – wird aber über ein striktes Beharren auf deutsches Arbeitsrecht verwundert sein.

Zuletzt ist die Welt der Botschaften und Außenhandelskammer auch die Welt der „Expats“, also deutscher Repräsentanten von Firmen oder Behörden, die in ihren eigenen, geschlossenen Gemeinschaften in speziellen Ausländercommunities leben. Wegen des häufigen Wechsels (3 bis 5 Jahresrhythmus) sind sie keinem Land richtig zugehörig. Vielfach bleiben diese Expats wegen des gleichen gesellschaftlichen Hintergrunds, ähnlicher Einkommensverhältnisse und fehlender Kenntnisse der Ortssprache unter sich. Ein Referendar wird auf diese Weise kaum das normale Leben seines Ziellandes kennen lernen. 

Claudius Petzold

Rechtsanwalt (Deutschland)/Vertrauensanwalt des Deutschen Institutes

Lin & Associates/www.linlawfirm.com

Assistant Prof. (Chinese Culture University)


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