Finanzierung (KfW usw.)

Gründungsfinanzierung (Grundlagen)

Der Erfolg einer Existenzgründung hängt im Wesentlichen ab von

  • der Akzeptanz (Nachfrage) der angebotenen Leistung im Markt
  • der Qualität der angebotenen Leistung
  • der kaufmännisch richtigen Vorbereitung (Businessplan) und vom Controlling
  • der richtigen Finanzierung

Selten sind es die fachlichen Qualitäten der Existenzgründer, die ein Gründungsprojekt scheitern lassen, sondern eher Finanzierungsprobleme und kaufmännische Defizite, nicht zuletzt beim Controlling der selbst gesteckten Zielvorgaben. Gerade in der Anfangsphase benötigt der Existenzgründer meist fremde finanzielle Mittel, sofern nicht anderweitige Ertragsquellen wie privates Vermögen oder Einkommen aus (neben)beruflicher Tätigkeit zur Verfügung stehen und ausreichen. In dieser Situation helfen Kredite  für Existenzgründer.

Ferner geht es um die Frage, wie die aufgenommenen Kredite getilgt werden sollen. Wie bekommt man überhaupt Existenzgründungskredite? Jeder weiß, dass niemand gerne Kredite gibt, es sei denn, er ist von der Person des Kreditnehmers und seiner Leistungsfähigkeit überzeugt. Für Banken gilt das in besonderem Maße. An dieser Stelle kommt der Businessplan ins Spiel, denn für Banken bekommt der Businessplan des Selbstständigen eine etwa gleich starke Bedeutung wie der Einkommensnachweis des Angestellten. Nur wer die Bank davon überzeugt, dass der Rückfluss gesichert ist, findet ein offenes Ohr. Im Prinzip erwarten die Kreditinstitute einen

  • Kapitalbedarfsplan, um die ersten kritischen Jahre zu überstehen
  • Businessplan mit Ertragsplanung
  • Tilgungsplan, der mit der Ertragsplanung einhergeht.

An dieser Stelle hilft die Beantwortung der  4-W-Fragen:

1. Was kostet das Vorhaben (Kanzleigründung / -kauf)?
2. Wie soll das Vorhaben bezahlt werden?
3. Wie viel kann mit dem Projekt verdient werden?
4. Wie kann den Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachgekommen werden?

 

Zu 1. Was kostet das Vorhaben (Kanzleigründung / -kauf)?  - Kapitalbedarfsplanung

Der Kapitalbedarf ermittelt sich aus den

-  Investitionskosten (einmalige Anschaffungskosten wie Kaution, Maklercourtage,  Büromöbel, Robe,  Bürobedarf, etc.)
-  Betriebsmitteln (laufende Kosten wie Personalkosten, Miete, Kommunikations- und Internetkosten etc.)
-  Gründungskosten (Unternehmensberater, Steuerberater etc.)
-  Kapitaldienst (Zins und Tilgung)
-  Private Kosten (Lebenshaltungskosten einschl. soziale Absicherung)

Die Höhe der Investitionskosten sollte niemals unterschätzt werden und deshalb ein Sicherheitspolster von zehn bis 15 Prozent für Unvorhersehbares beinhalten. Nur durch eine solide (private wie kanzleimäßige) Kapitalbedarfsplanung kann die Liquidität der Existenzgründung sicher gestellt werden, um das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden. Immer muss bedacht werden, dass Löcher im privaten Haushalt (bspw. unvorhergesehene Autoreparatur) direkt auf die Gesamtliquidität durchschlagen können.


Zu 2.  Wie soll das Vorhaben bezahlt werden? - Finanzierungsplanung

Als Finanzierungsmöglichkeiten kommen in erster Linie in Betracht

  • Eigenkapital
  • Einkünfte aus (neben)berufllicher Tätigkeit

Für denjenigen, bei dem eine Deckungslücke verbleibt, also die laufende Finanzierung nicht zu 100 Prozent gedeckt ist, bietet der Staat für Existenzgründer und Unternehmen bis zu acht Jahre nach der Gründung, spezielle Kredite an. Diese haben meist den Vorzug langer Laufzeiten, niedriger Zinssätze und tilgungsfreier Jahre. Besonders wichtig: Im Regelfall wird ein Eigenkapitalanteil von mindestens 15 Prozent erwartet.

Zu 3. Wie viel kann mit dem Projekt verdient werden ? - Businessplan mit Ertragsvorschau

Um den Kreditinstituten eine fundierte Ertragsvorschau abliefern zu können, muss ein Existenzgründer zunächst beschreiben, was er auf dem Markt vorhat, wie er sich gegenüber seinen Mitbewerbern durchsetzen will und wie sich seine Ertragserwartungen rechtfertigt (ableitet). Hierzu gehört sowohl ein best-case als auch ein  worst-case Szenario: Was passiert, wenn die Umsätze geringer ausfallen als erwartet? Welche Pläne gibt es, um darauf zu reagieren?

Mit der Ertragsvorschau für die ersten drei Jahre werden die prognostizierten Umsätze dargestellt. Auch wenn es sich um Schätzungen handelt, so müssen sie nachvollziehbar und erklärbar sein.


Zu 4.  Wie kann den Zahlungsverpflichtungen nachgekommen werden? - Liquiditätsplanung

Kann der Unternehmer seinen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen?

Diese Frage soll durch die Liquiditätsplanung beantwortet werden, die die im Businessplan dargestellten Ertragserwartungen den geplanten Kosten auf monatlicher Basis gegenüberstellt. Um vermeidbare kurzfristige Liquiditätsengpässe von Vornherein auszuschließen (diese belasten das Verhältnis zum Kreditinstitut unnötig), empfiehlt es sich, auch saisonale Schwankungen und branchenübliche Zahlungsgewohnheiten mit sichtbar zu machen. Im Regelfall wird eine Liquiditätsplanung für drei Jahre erwartet.

 

Praxistipps

Je größer das Deckungsdefizit, desto genauer schauen die Kreditinstitute auf Kapitalbedarfsplanung und Businessplan. Da kann es durchaus Sinn machen, sich professioneller Hilfe so genannter Existenzgründungsberater zu bedienen, was wiederum im Wege der Beratungsförderung finanziell unterstützt wird.

Wie wichtig eine solche Beratung sein kann, zeigt folgende Betrachtung:

Üblicherweise kommt man an zinsverbilligte Kredite nicht über die staatlichen Förderbanken, sondern nur über eine Verkehrsbank, in der Regel die Hausbank. Die Hausbank hat meist andere, viel handfestere Interessen. Bei der Vorbereitung öffentlicher Hilfsmittel fällt für die Bank viel Arbeit an, wie Businesspläne mit konzipieren, Vordrucke ausfüllen und so weiter. Ihr Ziel ist es aber, selbst möglichst ohne Aufwand Geld zu verdienen und zwar am Zinssatz. Bei Förderprogrammen bekommen die Banken häufig nur eine Bearbeitungsgebühr und minimale Zinsbeteiligungen. Deshalb verweigern sie die Unterstützung etwa von KfW-Krediten gerne mit faulen „Argumenten“ wie:

"Die zinsgünstigen Fördermittel sind nur ein Prozent preiswerter. Da lohnt für Sie und uns der ganze Aufwand nicht. Für Fälle wie dem Ihren haben wir da einen supergünstigen Hauskredit von nur ….. %."

"Wir fördern das Vorhaben nur, wenn Sie unseren Kredit nehmen."

"Vorhaben in dieser Größenordnung übernehmen wir generell nicht."

Existenzgründungsberater wissen da sehr genau, wie sie mit solchen Auswüchsen fertig werden und können dann ihr (auch noch subventioniertes) Geld durchaus Wert sein.


Förderprogramme

Brandaktuell

Ab Juni 2010 gibt es künftig eine Starthilfe von der EU. Die so genannten Mikrokredite der EU können bis zu 25.000 Euro betragen, ohne die bei Banken sonst obligatorischen Bonitätsprüfungen. Der Existenzgründer muss "lediglich" einen schlüssigen Geschäftsplan vorlegen, ohne dass die sonst üblichen Sicherheiten nachgewiesen werden müssen. Unterstützung bei der Ausarbeitung eines Geschäftsplans findet Ihr bei den Europäischen Sozialfonds, die Neu-Unternehmern auch wertvolle Mentoring-Programme, Fortbildungen und Verhaltenstrainings anbieten.

Nach derzeitigem Kenntnisstand werden Mittel in Höhe von 100 Millionen Euro bereitgestellt. Wenn Ihr einen Mikrokredit beantragen möchtet, so wendet Euch direkt an das Deutsche Mikro-Finanz Institut. Ab Mitte des Jahres könnt Ihr dort erfahren, welche Institute befugt sind, die EU-Kredite zu gewähren. Das müssen nicht unbedingt Banken sein, sondern auch sonstige Anbieter von Kleinstkrediten, wie etwa gemeinnützige Einrichtungen.

Demnächst findet Ihr hier eine umfassende Auflistung aller bundesweit und regional aufgelegt Förderprogramme.

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